Six Sigma goes sustainable

Ein Beitrag von Dr. Asif Masum (MatrixPartner)

Insbesondere die Risikobilanz des eigenen Geschäftsmodells hat viele durch die internationalen Klimaaktivitäten der letzten Wochen aufhorchen lassen: „Welche Auswirkungen hat meine CO₂-Bilanz auf mein Geschäftsmodell?“ Grund genug sich einmal der eigenen Risiken bewusst zu werden.

Mit Hilfe der strukturierten Vorgehensweise nach Six Sigma konnten wir über Jahre den Energie- oder CO₂-Footprint einiger Unternehmen kontinuierlich und vor allem nachhaltig verbessern. Neben Kosteneinsparungen hat sich hier auch Potenzial gezeigt, diese Entwicklung in die Vermarktung der Produkte unserer Kunden einzusetzen.

Stellt sich die Frage, warum bietet sich überhaupt Six Sigma als Projektmethodologie an? Schließlich ist diese Vorgehensweise eher berüchtigt für Personen, die eine gewisse Affinität zur Mathematik, insbesondere zur Stochastik haben.

Den Ansatz, den wir verfolgen, legt diesen oftmals vermeidbaren Ballast ab – wir fokussieren uns stattdessen ausschließlich auf die strukturierte Projektvorgehensweise.

CO₂-Footprint senken mit Six Sigma

Was bedeutet überhaupt strukturierte Projektvorgehensweise und wie kann Six Sigma hier helfen? Grundsätzlich geht es darum gezielt zu vermeiden, dass vermeintliche Lösungen angegangen werden, ohne eine vollständige Transparenz hinsichtlich der Problemstellung zu haben. Ein kulinarisches Beispiel, ein Burger, soll uns als Beispiel dienen.

DEFINE (definieren)

Die erste Frage, die wir uns stellen sollten, ist, warum der CO₂-Footprint bei einem Burger überhaupt ein Thema sein kann? Wenn wir über Themen wie dieses hier diskutieren, liegen oftmals grundsätzlich unterschiedliche Wahrnehmungen der Problemstellung vor. Die D-Phase schafft ein gleichgeschaltetes Bewusstsein für die Situation. Dazu gehört in unserem Burger-Beispiel übrigens auch, dass wir Klarheit über die wichtigen Bestandteile eines guten Burgers haben, also das Patty, dem Käse, den Salat, Saucen und natürlich das (Soft-) Brötchen.

MEASURE (messen)

Um den CO₂-Footprint zu senken, müssen wir natürlich erst einmal wissen, wie hoch der CO₂-Footprint überhaupt ist. Bei unserem Beispiel hängt dies auch davon ab, ob ich ein oder zwei Pattys verwende, wieviel Saucen und Käse ich nutze. Aber genau darauf zielt die M-Phase ab, wir wollen Datentransparenz in das zu betrachtende Produkt bringen. Wir schaffen eine belastbare Basis für die spätere Ursachenforschung und Entscheidungsfindung. Für einen klassischen Burger liegt der CO₂-Footprint zwischen 2.500 - 5.000 Gramm CO₂ – was ungefähr einer gefahrenen Strecke mit dem Auto von 18-38 km gleichkommt. Und wie nicht anders zu erwarten, nimmt hier das Patty die Rolle des größten CO₂-Sünders ein. Übrigens, die Sünde wird deutlich größer, wenn das Fleisch aus Südamerika kommt, vielleicht aber auch schmackhafter.

ANALYZE (analysieren)

Wir verlassen die M-Phase mit der Kenntnis, wo wir Schwerpunkte setzen sollten – und das ist in unserem Fall sicherlich das Patty (weitere Bestandteile können natürlich auch ein Thema sein, werden hier der Einfachheit halber vernachlässigt). Stellt sich nun die Frage nach dem WARUM und den Kernursachen. Dies geschieht in der A-Phase. Über klassische Werkzeuge wie das Fischgrätendiagramm und der Technik des 5xWarum werden die Kernursachen ermittelt. Dies kann zum einen die Quelle des Stroms bei verarbeitetem Fleisch sein (Fossile Energien oder Ökostrom?), aber auch schon deutlich früher in der Tierhaltung begründet sein. Welche Gründe es auch sind, wir schließen die A-Phase, indem wir die wesentlichen Treiber des hohen CO₂-Ausstoßes herausarbeiten und als Basis für die nächste Projektphase nehmen.

IMPROVE (verbessern)

Die Situation verbessern heißt in unserem Fall, den CO₂-Footprint unseres Burgers zu senken. In der konkreten Projektarbeit heißt dies für die I-Phase, Querdenken, Brainstorming und somit sprichwörtlich über den Tellerrand unseres Burgers zu schauen. Welche Lösungsmöglichkeiten bieten für unsere Problemstellung den größten Hebel? Dies kann von freiwilligen Kompensationen für den CO₂-Ausstoß bis hin zu Prozessanpassungen oder zur Infragestellung der Herstellungsweise oder -länder reichen.

CONTROL (Nachhaltigkeit sicherstellen)

Um das Ziel des klimaneutralen Burgers nachhaltig zu realisieren, erarbeiten wir uns in der nun letzten C-Phase Maßnahmen zur Sicherstellung der langfristigen Reduktion des CO₂-Footprint. Dies kann beispielsweise durch ein auf unsere Zielsetzung ausgerichtetes Lieferantenmanagement (Beschaffung), aber beispielsweise auch durch ein internes Kontrollsystem erfolgen.

An welchen Stellen können Sie die Energiebilanz Ihres Unternehmens aktiv und positiv beeinflussen? Ist die beschriebene Methodik passend für Ihr betriebliches Umfeld? Auch wenn dies nicht sein sollte, so konnten wir vielleicht ein paar Anregungen zum klimafreundlicheren Burger geben.

 

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